Das Suchtsystem im Landkreis Lörrach
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Sucht
Alkoholkonsum
In unserer Gesellschaft ist Alkohol ein Alltagsgetränk. Er ist allzeit verfügbar und oft billiger als alkoholfreie Getränke. Viele Menschen gewöhnen sich an regelmäßigen Alkoholkonsum. Sie trinken, obwohl sie sich körperlich, seelisch, sozial und wirtschaftlich schädigen (Alkoholmissbrauch). Sie können nicht mehr aufhören: Sie sind abhängig geworden. Die Abhängigkeit vom Alkohol (= Alkoholismus oder auch Alkoholkrankheit) ist sowohl körperlicher als auch psychischer Natur. Dies zeigt sich beispielsweise durch Toleranzentwicklung, Auftreten von Entzugserscheinungen bei Abstinenz, Unfähigkeit zur längerfristigen Abstinenz, Konzentration des Denkens und Strebens auf Alkohol. Negative Folgen werden verdrängt, der Gebrauch des Suchtmittels wird fortgesetzt, auch wenn bereits negative Folgeerscheinungen aufgetreten sind. Dieser Kontrollverlust kommt nicht plötzlich, sondern entsteht allmählich im Laufe von Jahren.
Nicht alle, die regelmäßig trinken, werden abhängig. Das Gefährliche ist, dass der Übergang von normalem zu süchtigem Verhalten fließend ist. Es gibt keine allgemeingültige Menge, ab der man sagen kann: "Hier beginnt die Sucht". Alle, die öfter und mehr trinken als sie wollen, sind gefährdet, in die Abhängigkeit zu geraten.

Nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (Jahrbuch Sucht 2004) sind in Deutschland etwa 9,3 Millionen Menschen im Alter von 18 bis 69 Jahren vom Alkohol abhängig oder zeigen ein missbräuchliches Trinkverhalten mit bereits eingetretenen Folgeerscheinungen. Bei 1,6 Millionen Menschen muss von einer Alkoholkrankheit mit massiven gesundheitlichen und sozialen Folgen gesprochen werden. Häufige Mischeinnahmen von Suchtmitteln sind bekannt:
Beruhigungsmittel/Schmerzmittel werden oft mit Alkohol kombiniert.
Aktuelle Analysen zu alkoholbezogenen Gesundheitsstörungen und Todesfällen gehen von jährlich 73.714 Todesfällen durch Alkoholkonsum allein oder durch den Konsum von Tabak und Alkohol bedingt (74 %) aus. Der Anteil an alkoholbedingten Todesfällen an allen Todesfällen im Alter zwischen 35 und 65 Jahren beträgt bei Männern 25% und bei Frauen 13%. Für den Landkreis Lörrach ergeben sich daraus ca. 4.200 Alkoholkranke und ca. 6.800 Alkoholmissbraucher sowie ca. 100 Todesfälle durch Alkoholkrankheit.
Im betrieblichen Alltag kann davon ausgegangen werden, dass fünf Prozent oder ca. 1,25 Mio. aller Arbeitnehmer alkoholkrank sind und weitere zehn Prozent (weitere 2,5 Mio.) als alkoholgefährdet anzusehen sind. Aus diesen Zahlen geht hervor, welch deutliches und massives Problem hier beschrieben wird.
Für den Betrieb gibt es natürlich außer den menschlichen Folgeproblemen des Alkoholismus auch wirtschaftliche Nöte: Alkoholabhängige können nur in reduziertem Maße Arbeitsleistung erbringen. Alkoholkranke haben hohe Fehlzeiten, andere Mitarbeiter müssen für sie einspringen. Das Betriebsklima verschlechtert sich meist. Führungskräfte, die alkoholabhängig sind, treffen häufig Fehlentscheidungen von großer Tragweite. Bei Verschleppung der Probleme werden schließlich disziplinarische Maßnahmen notwendig. Die Vielzahl der betrieblichen Unfälle, die auf überhöhten Alkoholkonsum zurückzuführen sind, verursacht erhebliche Schäden am Menschen und materieller Art.
Der volkswirtschaftliche Schaden durch Alkoholmissbrauch wird allein in den alten Bundesländern auf ca. 15 Milliarden Euro jährlich geschätzt.